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Stärkung der Strahlkraft für die Freiburger Forschung

Die Universität Freiburg ist in der aktuellen Wettbewerbsrunde der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder erfolgreich.

Freiburg, 02.02.2024

Zwei Clusterinitiativen der Universität Freiburg sind in der aktuellen Wettbewerbsrunde der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder einen wichtigen Schritt weitergekommen. Das haben die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat am 2. Februar 2024 bekanntgegeben. Das Expertengremium hat die Freiburger Exzellenzclusterinitiativen Constitution as Practice in Times of Transformation (ConTrans) und Future Forests – Adapting Complex Social-ecological Forest Systems to Global Change zur Abgabe eines Vollantrags bis zum 22. August 2024 aufgefordert. Die bereits bestehenden Exzellenzcluster der Universität Freiburg, Centre for Integrative Biological Signalling Studies (CIBSS) und Living, Adaptive and Energy-autonomous Materials Systems (livMatS), werden zudem Fortsetzungsanträge einreichen.

„Ich gratuliere herzlich allen beteiligten Wissenschaftler*innen“, sagt Rektorin Prof. Dr. Kerstin Krieglstein. „Die interdisziplinären Clusterinitiativen speisen sich aus den Forschungsschwerpunkten unserer Universität und werden das innovative Potenzial unserer Forschungsstärke weiter vorantreiben.“ Prof. Dr. Stefan Rensing, Prorektor für Forschung und Innovation, betont die gesellschaftliche Relevanz der ausgewählten Antragsskizzen: „Sie haben gemeinsam, dass sie neue Forschungsansätze auf höchstem Niveau entwickeln, die mögliche Lösungen für drängende Herausforderungen unserer Zeit in den Blick nehmen.“

Die Sprecher*innen der Exzellenzclusterinitiativen ConTrans und Future Forests sowie der bestehenden Exzellenzcluster CIBSS und livMatS. Grafik: Universität Freiburg

Die Sprecher*innen der Exzellenzclusterinitiativen ConTrans und Future Forests sowie der bestehenden Exzellenzcluster CIBSS und livMatS. Fotos: Jürgen Gocke

Constitution as Practice in Times of Transformation (ConTrans)

Verfassungen stehen im Zentrum sozio-politischer Erwartungen und Konflikte. Doch sind sie weder in ihrer Eigenart noch in ihrer Wirkung zu erfassen, wenn man sie in erster Linie als Rechtstexte begreift. Daher untersucht die Initiative ConTrans Verfassungen als ein Netz sozialer Praxen, die von Ritualen und Symbolen bis hin zu Verfahren und Institutionen reichen. Zu diesem Zweck entwickeln Forscher*innen aus elf Disziplinen einen Analyserahmen, der es erlaubt, die Rolle von Verfassungen sowohl als Motor als auch als Gegenstand gesellschaftlicher Veränderungsprozesse über Epochen und Räume hinweg zu beschreiben. Damit soll das Projekt Antworten auf die Frage liefern, was Gesellschaften und politische Systeme zusammenhält oder erodieren lässt. Ziel ist es, in Freiburg eine internationale Verfassungsforschung im Verbund der Geistes- und Sozialwissenschaften zu etablieren.

Wir freuen uns sehr über die Entscheidung. Zu untersuchen, wie sich der Umgang mit Verfassungen und Verfasstheit von der Antike bis ins 21. Jahrhundert entwickelt hat, ist in unserer Gegenwart von besonderer Relevanz. Denn wir wollen im interdisziplinären Dialog verstehen, was Gesellschaften und politische Systeme zusammenhält oder erodieren lässt“, sagen die Sprecher*innen Prof. Dr. Matthias Jestaedt, Prof. Dr. Jörn Leonhard und Prof. Dr. Sitta von Reden.

An ConTrans sind folgende Fakultäten der Universität Freiburg beteiligt (in alphabetischer Reihenfolge): Philologische Fakultät, Philosophische Fakultät, Rechtswissenschaftliche Fakultät, Theologische Fakultät, Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät. ConTrans ist Teil des interdisziplinären Schwerpunktbereichs „Kulturen und Gesellschaften in Raum und Zeit“ im Forschungsprofil der Universität Freiburg.

Future Forests – Adapting Complex Social-ecological Forest Systems to Global Change

Angesichts des raschen Klimawandels, neuartiger Störungen, der Ansiedlung und des Verlusts von Arten entwickeln sich große Teile der Wälder zu neuartigen Ökosystemen, die in der Evolutionsgeschichte keine Entsprechung haben. Parallel sind große gesellschaftliche Veränderungen zu erwarten, die sich beispielsweise aus Urbanisierung, Globalisierung und Landnutzungsänderung ergeben. Waldökosysteme und Gesellschaft sind eng miteinander verflochten; sie interagieren auf komplexe Weise. Dadurch entstehen neuartige und schwer quantifizierbare Risiken. Die Initiative Future Forests will neue Konzepte zur Analyse von Wäldern als sozial-ökologische Systeme erarbeiten. Das Ziel des Clusters ist es, mit diesen Ansätzen die Grundlagen für eine Transformation zu anpassungsfähigeren Wäldern bereitzustellen.

„Eine großartige Chance für uns und den Wald. Wir freuen uns sehr, nun weiter an der Realisierung unserer Forschungsideen und Konzepte zur dringenden Anpassung der Wälder und ihrer Bewirtschaftung an den globalen Wandel arbeiten zu können. Damit wollen wir ein neues Kapitel in der internationalen Waldforschung aufschlagen“, sagen die Sprecher*innen Prof. Dr. Jürgen Bauhus, Prof. Dr. Friederike Lang und Prof. Dr. Marc Hanewinkel.

An Future Forests sind folgende Fakultäten der Universität Freiburg beteiligt (in alphabetischer Reihenfolge): Fakultät für Biologie, Medizinische Fakultät, Philosophische Fakultät, Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen. Future Forests ist Teil des interdisziplinären Schwerpunktbereichs „Wege zur Nachhaltigkeit“ im Forschungsprofil der Universität Freiburg.

Die Universität Freiburg ist von der Qualität aller Antragsskizzen, die sie eingereicht hat, überzeugt. Alle sieben Exzellenzclusterinitiativen hatten sich vorab in einem kompetitiven Auswahlprozess durchgesetzt. „Wir werden die wertvollen Ideen der Antragsskizzen, die in dieser Runde nicht berücksichtigt wurden, in anderen Formaten weiterentwickeln“, sagt Stefan Rensing. Die Rektorin sieht darin einen „immensen Schub für die Spitzenforschung in Freiburg“.

Mit der Unterstützung der gesamten Universität

Die seit 2019 bestehenden Exzellenzcluster der Universität Freiburg bewerben sich aktuell um eine zweite Förderphase, die 2026 starten wird. „CIBSS und livMatS haben nach fünf Jahren der ersten Laufzeit eine exzellente Leistungsbilanz vorzuweisen“, sagt Stefan Rensing. „Sie treten den weiteren Wettbewerb mit der Unterstützung der gesamten Universität an, und wir sind sehr zuversichtlich, dass sie sich für eine zweite Förderphase qualifizieren werden.“

Centre for Integrative Biological Signalling Studies (CIBSS)

Biologische Signale ermöglichen es Zellen, ihre Aufgaben zu koordinieren, Gewebe zu bilden und sich an Umweltbedingungen anzupassen. Ziel des Exzellenzclusters CIBSS ist, in dieser „Sprache des Lebens“ zu kommunizieren, also die Signalverarbeitung innerhalb von Zellen und Geweben zu verstehen und sie dadurch gezielt kontrollieren zu können. Dafür arbeiten mehr als 70 Forschungsgruppen, darunter fünf durch CIBSS etablierte Professuren und Juniorprofessuren, in interdisziplinären Projekten zusammen. Die Forschung des Exzellenzclusters hat grundlegende Funktionsprinzipien der Signalintegration identifiziert, trägt zu klinischen Anwendungen bei und hat das Potenzial, die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Die gesellschaftliche Relevanz der Forschungsfragen sowie die wissenschaftliche Leistung verleihen CIBSS internationale Sichtbarkeit. In der zweiten Förderphase wird CIBSS auf den konzeptionellen Fortschritten aufbauen und verstärkt Entscheidungsprozesse auf molekularen und zellulären Ebenen entschlüsseln, um damit präzise Funktionskontrolle zu entwickeln.

„Mit seinem einzigartigen Forschungsansatz hat CIBSS grundlegende biologische Signalprozesse entschlüsselt und innovative Anwendungen entwickelt. Die wissenschaftlichen und strukturellen Erfolge des Exzellenzclusters prägen maßgeblich das Feld der Signalforschung und stärken den Wissenschaftsstandort Freiburg“, sagen die CIBSS-Sprecher*innen Prof. Dr. Wolfgang Driever, Prof. Dr. Carola Hunte, Prof. Dr. Jürgen Kleine-Vehn und die designierte CIBSS-Sprecherin Prof. Dr. Claudine Kraft.

CIBSS ist Teil des interdisziplinären Schwerpunktbereichs „Signale des Lebens“ im Forschungsprofil der Universität Freiburg.

Living, Adaptive and Energy-autonomous Materials Systems (livMatS)

Der Exzellenzcluster livMatS prägt seit 2019 die wissenschaftliche Arbeit zu Themen der Materialforschung an der Universität Freiburg und darüber hinaus maßgeblich. Dazu gehören zum Beispiel die Bereiche Energiespeicherung, Multimaterial-3D-Druck, Drucken von Glas und Soft Robotik sowie die Beurteilung von Technologieakzeptanz. Der Cluster hat zwei Professuren und fünf Nachwuchsgruppen eingerichtet, die die Materialwissenschaften in Freiburg durch neue Impulse stärken. Besonders erfolgreich zeigt sich der Cluster im Bereich Drittmittel: Seine Wissenschaftler*innen haben zusätzlich 25 Millionen Euro für Projekte eingeworben. Die Veröffentlichung von mehr als 400 Artikeln in mehr als 180 Fachzeitschriften und die Anmeldung mehrerer Patente spiegeln die Leistungen des Forschungsteams wider. Den interdisziplinären Austausch hat livMatS in Kooperationen mit der US-amerikanischen Penn State University und dem Stuttgarter Exzellenzcluster „Integrative Computational Design and Construction for Architecture“ (IntCDC) gefördert. Aus letzterer sind zwei innovative und vielbeachtete biomimetische Pavillons hervorgegangen, die Forschungsfragen von livMatS für die Gesellschaft greifbar machen.

„Die Erfolge des Clusters bestärken uns darin, die langfristige Vision von adaptiven, energieautonomen Materialsystemen weiterhin konsequent zu verfolgen. Wir werden die Umsetzung unserer Vision mit strategischen Erweiterungen des Forschungsprogramms entscheidend vorantreiben und gehen zuversichtlich in die Vorbereitung des Fortsetzungsantrags“, sagen die Sprecher*innen des Clusters livMatS Prof. Dr. Anna Fischer, Prof. Dr. Jürgen Rühe und Prof. Dr. Thomas Speck.

livMatS ist Teil des interdisziplinären Schwerpunktbereichs „Wege zur Nachhaltigkeit“ im Forschungsprofil der Universität Freiburg.

Zweite Förderlinie: „Exzellenzuniversität“

Parallel beginnen an der Universität Freiburg die Vorbereitungen für die zweite Förderlinie „Exzellenzuniversität“. Hier steht die Qualität der gesamten Institution im Mittelpunkt. „Die Universität Freiburg hat ihren festen Platz unter den Top Ten der forschungsstärksten Universitäten in Deutschland“, hebt Kerstin Krieglstein hervor. Auf dieser Grundlage gelte es, eine Vision zu erarbeiten, die die Erneuerungsfähigkeit in allen Leistungsdimensionen einer Universität stärke. Um sich in dieser Förderlinie zu bewerben, müssen Universitäten an mindestens zwei, als Universitätsverbünde an mindestens drei Exzellenzclustern als Antragssteller beteiligt sein. Eine Bewerbung in der zweiten Förderlinie ist bis November 2025 möglich.

Informationen zur Förderlinie „Exzellenzcluster“

Das Expertengremium hat 143 Antragsskizzen, davon sieben der Universität Freiburg, begutachtet. Insgesamt 41 Clusterinitiativen sind für eine weitere Runde ausgewählt worden. Die Entscheidung darüber, welche Anträge als Exzellenzcluster gefördert werden, fällt am 22. Mai 2025.

Ziel der Förderlinie „Exzellenzcluster“ im Wettbewerb der Exzellenzstrategie ist, international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten oder in Universitätsverbünden zu unterstützen. Exzellenzcluster erhalten eine jährliche Fördersumme von drei bis zehn Millionen Euro. Hinzu kommt der Overhead, eine Pauschale in Höhe von 22 Prozent der Fördersumme, die es der Universität ermöglichen soll, indirekte Kosten zu finanzieren. Universitäten mit Exzellenzclustern können zudem eine Universitätspauschale beantragen, ein Strategiezuschlag zur Stärkung der Governance und der strategischen Ausrichtung durch die Universitätsleitung. Die Laufzeit eines Exzellenzclusters beträgt zunächst sieben Jahre, eine einmalige Verlängerung um weitere sieben Jahre ist möglich.

 

Zur Pressemitteilung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrats

 

Kontakt:
Hochschul- und Wissenschaftskommunikation
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Tel.: 0761/203-4302
E-Mail: kommunikation@zv.uni-freiburg.de